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Schulwechsel wegen Mobbing?

Warum wir Schulwechsel wegen „Mobbing“ grundsätzlich eher skeptisch sehen.


I. Oft ist der Leidensdruck groß…

Oft erreichen uns Anfragen, die aufgrund der Dringlichkeit den Rückschluss zulassen, dass hinter den jeweiligen Kindern und deren Eltern vermutlich schon eine längere „Leidenszeit“ liegen.
In manchen Fällen setzen Eltern in einen kurzfristigen Schulwechsel große Erwartungen. Gemeinsam mit dem betroffenen Kind erhoffen sie sich eine abschließende „Lösung“ der bestehenden Probleme und, diese durch den Schulwechsel „hinter sich zu lassen“. Je länger und beschwerlicher der vorangegangene Leidensweg ist, desto nachvollziehbarer sind diese Gedanken natürlich. Einem kurzfristigen Schulwechsel stehen wir aber generell eher skeptisch gegenüber. Die folgenden Informationen sollen Ihnen dies näher erläutern.


II. Mobbing tritt auch bei uns auf. Mobbing ist komplex.

Vermutlich kommt es an allen Schulen (wie in allen anderen sozialen Systemen) zu „Mobbing“. Das gilt für Ihre Schule wie für unsere. Alle bayerischen Schulen verfügen über umfangreiches Wissen und Erfahrungen im Umgang mit Mobbing, wenngleich sich die vielen Einzelfälle natürlich in Art und Intensität der Auswirkungen und der Betroffenheit der verschiedenen Personen unterscheiden.

Zur Abgrenzung von „Mobbing“ von anderen möglichen, entwicklungspsychologischen und sozialen Problemen orientieren wir uns an einschlägigen Handreichungen und Definitionen (siehe z.B. https://www.km.bayern.de/mobbing). Diese Abgrenzung ist mit Blick auf die schulischen Interventionen von großer Bedeutung.

Bei Mobbing sind die Zusammenhänge oft sehr komplex. Mobbing ist schwerwiegend, es erfordert in besonderem Maße klares und strukturiertes Vorgehen und eine enge Zusammenarbeit vieler Personen.

Die Schulen sind mit den komplexen Mechanismen und den oft sehr vielschichtigen Zusammenhängen vertraut, in denen Mobbing stattfindet.
Die Strukturen, in denen Mobbing stattfindet, sind anfangs oftmals schwer zu erkennen. Neben den von Mobbing Betroffenen und den aktiv Mobbenden gibt es meist eine ganze Reihe passiv „Zusehender und Erduldender“. Das führt dazu, dass sich der ganze Aufarbeitungsprozess oft lange hinzieht. Insbesondere für die Betroffenen ist das sehr schwer und langwierig.


III. Mobbing erfordert strukturierte und engmaschige Zusammenarbeit.

Für die Unterstützer im Familien- und Schulumfeld (Eltern, Lehrkräfte, Sozialpädagogen/innen usw.) bedeutet dies, dass sie sich gut abstimmen müssen und eng zusammenarbeiten müssen. In der Regel müssen bei „Mobbing“ weitere Experten eingebunden werden.

Die betroffenen Schüler/innen und deren Eltern arbeiten üblicherweise eng mit der schulischen Beratungslehrkraft und /oder Schulpsychologe/in zusammen.
Zudem besteht ein sehr enger und intensiver Austausch zwischen den betroffenen Schüler/innen und deren Eltern mit der Schulleitung.
Insbesondere dann, wenn die schulischen Interventionen auch von Behandlungen und Therapien im Gesundheitswesen begleitet werden, ist hier eine sehr engmaschige Zusammenarbeit wichtig.


IV. Schul- und Ausbildungswechsel sind bei Mobbing meist nicht zielführend.

Im Regelfall wird der Mobbing-Vorfall im sozialen System der eigenen Schule aufgearbeitet und gelöst. Alle Beteiligten – die Betroffenen selbst und die aktiv oder passiv agierenden Mobber/innen – sind Teil der Lösung und müssen hier beteiligt werden. Wir wissen, dass die dauerhafte Klärung von Mobbing mit allen Beteiligten (aber nicht zwingend „gemeinsam“ und am runden Tisch) stattfinden muss. In der Regel kann Mobbing nur dort (im eigenen System) bearbeitet bzw. gelöst werden, wo es stattfindet.

In schwerwiegenden Fällen ist es möglich, dass jene Personen, die nachweislich und gezielt Mobbing betreiben, mit teils schwerwiegenden Ordnungsmaßnahmen belegt und so zur Rechenschaft gezogen werden. Es gibt Fälle, in denen dies sogar bis zur Schulentlassung führt.

Für die Betroffenen von Mobbing bringt ein Wechsel der Schule leider meist nur vordergründig und kurzfristige „Ruhe“. Denn: Die Kinder und Jugendlichen sind in der Regel räumlich und virtuell (Wohnortnähe, Handy, soziale Netzwerke) mit einander verbunden und „vernetzt“. Ungeklärtes und nicht abgeschlossenes Mobbing wird leider sehr oft auch nach einem Schulwechsel in den sozialen Netzwerken fortgesetzt. Die Auswirkungen sind dann oft noch schwerwiegender, weil man noch schwerer eingreifen kann, als an der eigenen Schule.

Aus den genannten Gründen stellen Wechsel

  • der Klasse,
  • der Ausbildungsrichtung oder gar
  • der Schule

nur in den seltensten Fällen stellen für die Betroffenen von Mobbing probate Lösungswege dar. Ohne engmaschige Begleitung solcher Maßnahmen, die man leider bestenfalls als Rückzugs- und Ausweichslösungen bezeichnen kann, sind sogar weitere, bleibende Schäden und ungünstige Lern- / Lebenserfahrungen für die Betroffenen zu erwarten.


V. Ein professionell begleiteter Schulwechsel aufgrund von Mobbing ist an viele Voraussetzungen geknüpft.

In jenen seltenen Ausnahmefällen, in denen dies von den Experten unter Abwägung aller Aspekte als „Ultima Ratio“ angeraten wird, legen die Eltern über die abgebende Schule/Schulleitung entsprechende Schreiben und Stellungnahmen vor, die einen außerordentlichen Schulwechsel während des Schuljahres professionell vorbereiteten und und dessen Begleitung durch die abgebende bzw. aufnehmende Schule ermöglichen.

In der Regel kommen diese Schreiben

a) im Schulwesen

  • von der Klassenleitung UND von der Schulleitung
  • ggf. von dem/der eingebundenen Schulpsychologen/-in und
  • ggf. von dem/der eingebundenen  Beratungslehrkraft

und darüber hinaus

b) im Gesundheitswesen

  • von den behandelnden Kinder- und Jugendpsychiater/innen,
  • ggf. von den Klinikärzten
  • ggf. von den Kinder- und Jugendpsychotherapeuten

 


VI. Und wie geht es dann weiter?

Im Regelfall schlagen wir anfragenden Eltern vor, dass sie mit den Ansprechpartner/innen in der aktuellen Schule des Kindes und im Gesundheitswesen in Kontakt treten und beraten, welche Schritte von dort unterstützt und uns gegenüber kommuniziert werden können. In der Regel müssen die Eltern dann den Personen so genannte „Schweigepflichtentbindungen“ erteilen, so dass ein fachlicher Austausch mit einer anderen, möglicherweise aufnehmenden Schule möglich wird.

Wir wünschen Ihnen und Ihrem Kind alles Gute!

 

Mit freundlichen Grüßen
Matthias Wabner
Schulleiter